Kabarettherbst 2020

Roland Düringer | Africa Twinis

Freitag, 25. September 2020

 Im Morgengrauen fällt am 1.1.1986 in Paris der Startschuss zum härtesten Wüstenrennen der Welt, der Rallye Paris-Dakar. In einundzwanzig Tagen wird der Franzose Cyril Neveu mit seiner Honda NXR 750 nach 15.000 km als erster das Ziel am Lac Rose, einem Salzsee 30 km nördlich von Dakar erreicht haben.

Zur selben Stunde am Neujahrstag 1986 fällt auch in Engelbrechts im tiefst verschneiten Waldviertel ein Schuss. Eine Fehlzündung. Ein zweiter Tritt, gefolgt von einem Knattern. Kurz darauf ein zweites Knattern. Zwei rauchende Zweitakter setzen sich in Bewegung Richtung Süden. Ihr Ziel: Dakar. In knapp drei Stunden werden Engelbert Fröschl und Alois Zankl auf ihren beiden Puch MCH 250 am Hornerwald 14.978 km nördlich von Dakar mit technischem Gebrechen die Reise nach Afrika beenden müssen und bei eisigem Wind und gefühlten minus 25 Grad Celsius zur Erkenntnis gelangen: „Dakar is ned ums Eck."

Engl und Loisl haben ihre Lektion gelernt und diesmal – mehr als dreißig Jahre später – wird nichts dem Zufall überlassen. Gereift, geistig gewachsen, in voller Mannesblüte und technisch am Stand der Zeit, sind die AFRICA TWINIS fest entschlossen mit ihren Hightech-Motorrädern die Wüste zu bezwingen und komme was wolle das Ziel zu erreichen: Den Lac Rose, 30 km nördlich von Dakar.

Es mag ja schon sein, dass die Welt in den letzten 30 Jahren zusammengewachsen ist: aber Dakar ist trotzdem noch immer nicht ums Eck.

Foto: (c) Andrea Sojka

Blonder Engel | Codex Angeli

Freitag, 16. Oktober 2020

Als man ihn anno dazumal — im Spätmittelalter nämlich — gebeten hat, das ein oder andere Lied für jene Liederhandschrift beizusteuern, die man heute als Codex Manesse kennt, hat Blonder Engel dankend abgelehnt: Lieder liest man nicht, Lieder hört man. Heute, gut 700 Jahre später, wurmt es den Himmlischen ein bisserl, dass er damals so kleinlich war und er ent-schließt sich kurzerhand dazu, jene elf Lieder, um die es damals gegangen ist, quasi als Appen-dix, in seinem Codex Angeli, nachzureichen. Und dieses Liedgut hat es in sich: Mit gewohnt spitzer Zunge und schelmischem Grinsen streift sich Blonder Engel in einer stilpluralistischen Himmelfahrt die Lederjacke über, lädt zur urbanen Vogelschau, entzaubert das Mysterium Backstage-Raum, konvertiert zum Nerd und schenkt reinen Wein, pardon — Schlehdorn-Likör — ein. All das und viel mehr, gibt’s nur auf Codex Angeli, dem neuen Album vom Engel. Jetzt auch mit Refrain!

Foto © Marco Prenninger

Hosea Ratschiller | Ein neuer Mensch

Freitag, 30. Oktober 2020

So geht es nicht weiter. Das weiß jedes Kind. Die Großen wissen es auch. Und reden sich raus. Am besten geht das mit Witzen. Da kommt der Ratschiller ins Spiel. Seine Spezialität ist das "Einetheatern". Das ist Österreichisch und heißt, er steigert sich in Sachen hinein. Und heute war wieder einiges los. Der Sex wurde erfunden und abgeschafft. Der Sozialstaat wurde erfunden und abgeschafft. Ein Brot wurde in einen Igel verwandelt. Und über all das wollen wir abends lachen. Dann können wir besser schlafen. So einfach ist das. Geht doch eh.

Regie: Petra Dobetsberger
Bild: © Christian Pitschl, Collage: Pascale Osterwalder

Pepi Hopf | Sternzeichen: Stur

Freitag, 27. November 2020

Mit dem Hopf durch die Wand – ein Abend für alle Sturschädel dieser Welt und deren PartnerInnen.

Oft nannte man mich schon einen sturen Hund. Das ist falsch!

Hunde sind unterwürfig, gehorsam und manchmal dämlich, aber in den wenigsten Fällen stur.

Stur? Ja, das bin ich und das bleibe ich auch.

Ich glaube noch immer nicht, dass sich der Rechtspopulist für den kleinen Mann aufopfert. Mir will auch nicht in den Kopf, dass Konzerne wahre Heimstätten der Menschlichkeit sind und daher gefälligst von jeglicher Steuerlast befreit werden sollten. Ich finde es falsch, dass Werbemanager, die unseren Verstand mit ihren Spots zu spammen, das Vielfache von SozialarbeiterInnen verdienen. Und überhaupt!

Ich habe mir mit beinahe 50 Jahren eine Meinung zu dieser Welt gebildet und bin zu folgendem Schluss gekommen:

Bei einem Wurstbrot keine Butter unter die Wurst! Wenn sie jetzt entsetzt aufheulen ist mir das auch wurscht.

Die Geschichte wird mir Recht geben, wie dereinst dem guten alten Galileo Galilei:

„Und sie bewegt sich doch!“ hatte er damals in seinen Bart genuschelt und um ein Haar hätte ihm die katholische Kirche deswegen seine gelehrte Schwarte am Scheiterhaufen knusprig gegrillt.

Wer hatte am Ende Recht? Der sture Hund Galilei.

Pressefoto "Sternzeichen: Stur" (2020)
Credits: Barbara Hartl, Graph Art Line e.U.